Ingardia Dossier

Dossier · 04

Pyramiden & Sternenachsen

Eine veröffentlichte Hypothese, ihre Grenzen — und mein Anteil daran, der gering ist.

Worum es geht

Seit den späten 1980er-Jahren existiert eine veröffentlichte Hypothese, die als Orion-Correlation Theory bekannt ist und von Robert Bauval und später Adrian Gilbert formuliert wurde. Sie behauptet, dass die drei grossen Pyramiden von Gizeh in ihrer Anordnung dem Gürtel des Sternbilds Orion entsprechen — bezogen auf einen Zeitpunkt etwa 10.500 v. Chr.

Diese Theorie ist akademisch nicht akzeptiert. Egyptologen wie Mark Lehner und Zahi Hawass haben sie zurückgewiesen, mit Verweis auf die astronomische Ungenauigkeit der Korrelation und die fehlende Datierungsgrundlage. Andererseits wurde sie nie vollständig widerlegt, und ein Teil der Beobachtungen — etwa die Ausrichtung einzelner Pyramidenschächte auf bestimmte Sterne — ist innerhalb der konventionellen Egyptologie unbestritten.

Was mich daran interessiert

Nicht die Theorie selbst — die kann ich nicht beurteilen. Mich interessiert die Tatsache, dass über mehrere Kontinente verteilt grosse Steinanlagen mit astronomischer Ausrichtung existieren, die zeitlich teilweise weit auseinander liegen:

  • Gizeh, etwa 2500 v. Chr.
  • Teotihuacán, etwa 100 bis 400 n. Chr.
  • Angkor Wat, 12. Jahrhundert n. Chr.
  • Stonehenge, etwa 3000 bis 2000 v. Chr.
  • Göbekli Tepe, etwa 9500 v. Chr.

Diese Bauten sind durch Sprache, Kultur und vermutlich auch durch Wissenstransfer nicht direkt verbunden. Die astronomischen Ausrichtungen sind dennoch wiederkehrend. Das ist Fakt, kein Streitpunkt.

Wo die Hypothese beginnt

Wenn man nun fragt, ob es eine gemeinsame Quelle für dieses geometrische Wissen geben könnte, beginnt der Bereich, in dem die seriöse Forschung schweigt — oder vorsichtig kommentiert.

Die konservative Erklärung: jede Kultur hat den Himmel beobachtet, weil der Himmel jedem zur Verfügung steht. Astronomische Ausrichtungen ergeben sich aus pragmatischen Gründen — Kalender, Landwirtschaft, Ritus. Dass mehrere Kulturen unabhängig voneinander auf vergleichbare Lösungen kommen, ist kein Mysterium, sondern Konvergenz.

Die spekulative Erklärung: es gab eine ältere, untergegangene Quelle astronomischen Wissens, von der spätere Kulturen Fragmente übernommen haben. Diese Hypothese wird unter anderem von Graham Hancock vertreten und von der akademischen Archäologie scharf kritisiert.

Ich kann zwischen den beiden Lesarten nicht entscheiden. Ich habe weder die ägyptologische noch die astronomische noch die archäologische Fachkenntnis. Was ich tun kann, ist die Frage offen formulieren — und beide Lager fair zitieren.

Mein Anteil — als Hypothese markiert

Was mich vorsichtig macht: in der Region, in der ich 2018 die kreisförmige Stein-Anordnung gefunden habe — der Randen oberhalb Schaffhausen —, gibt es eine Höhe mit einer Sichtachse, die — wenn ich nicht falsch peile — auf den Polarstern zeigt. Das ist im Mittelland und im Jura nicht ungewöhnlich; alte Wege und Kapellen folgen oft astronomischen Linien. Aber es hat mich auf die Geometrie gebracht. Mehr nicht.

Verweise

Bauval / Gilbert: „The Orion Mystery”, 1994. Hancock: „Magicians of the Gods”, 2015, umstritten. Krupp, E. C.: „In Search of Ancient Astronomies”, akademische Gegenstimme. Lehner: „The Complete Pyramids”, 1997, Standardreferenz.