Ingardia Dossier

Dossier · 02

Erste Sichtungen & Methodik

Was ich gesehen habe, wie ich es aufschreibe, und wo ich Schluss mache.

Vorab die wichtigste Einschränkung: persönliche Sichtungen sind Anekdoten. Sie taugen nicht als Beweis für irgendetwas. Sie taugen, um die eigene Aufmerksamkeit zu schärfen und um ein Vokabular zu finden, mit dem man Beobachtungen anderer Menschen einordnen kann.

Was

Meine erste Beobachtung, die ich heute noch beschreiben kann, war im Herbst 2003 über dem Zürichsee. Ein Punkt, der zu hell für einen Satelliten war, zu langsam für einen Meteor, zu kurz für ein Flugzeug. Er bewegte sich in einer geraden Linie, hielt dann an, und verschwand. Die Sichtung dauerte rund zwölf Sekunden. Ich war nicht allein. Mein Schwager und ein Nachbar haben dasselbe gesehen.

Was es war, weiss ich nicht. Was es nicht war, lässt sich grob eingrenzen: kein bekannter Flugkörper in den damals einsehbaren Flugplänen; kein Wetterballon, der zur fraglichen Zeit aufgestiegen wäre; keine Drohne in der Verbreitung, die 2003 noch nicht gegeben war.

Wie

Seit dieser Beobachtung führe ich ein Notizheft. Eines liegt im Auto, eines im Haus. Vor jeder Eintragung kommen vier Felder, immer in derselben Reihenfolge: Datum, Uhrzeit, Wetter, Standort. Dann eine Sachbeschreibung in maximal drei Sätzen. Dann die Frage: Wer war noch dabei, und was hat er oder sie gesehen?

Was nicht ins Heft kommt: meine Interpretation. Nicht zu dem Zeitpunkt. Die kommt frühestens am nächsten Tag, idealerweise erst nach einer Woche, mit ausgeruhtem Kopf.

Was ich verworfen habe

Etwa achtzig Prozent meiner Aufzeichnungen erklären sich später als bekannte Phänomene: Satellitenüberflüge, Lichtbrechungen, Drohnen, in einem Fall ein wirklich auffälliges Wettermuster. Diese Eintragungen bleiben im Heft — sie zu streichen würde die Disziplin verfälschen.

Bleiben rund zwanzig Prozent ohne plausible Erklärung. Davon sind etwa die Hälfte zu kurz oder zu unscharf, um irgendetwas damit anzufangen. Das andere Drittel ist das, was in dieses Dossier einfliesst.

Methodische Schranken

Ich bin kein Optikingenieur. Ich kann eine atmosphärische Linsenbildung nicht zuverlässig von einer Reflexion an Tarnflächen unterscheiden. Ich gehe davon aus, dass ein guter Teil meiner ungeklärten Sichtungen mit besserem Instrumentarium aufgelöst würde. Das ist kein Eingeständnis von Niederlage, sondern das, was Erkenntnis heisst.

Was ich beobachte, ist deshalb immer auch eine Aufgabe an die Disziplin: aufschreiben, was war. Nicht ergänzen, was nicht war. Den Bericht trennen vom Schluss.

Verweis

Wer professioneller arbeitet und das publiziert, lohnt sich zu lesen: Mick West, sauberes Handwerk auf der skeptischen Seite. Avi Loeb mit dem Galileo Project an Harvard, kontrovers, aber publiziert. Das ODNI mit seinen jährlichen UAP-Reports. Diese Quellen ersetzen das eigene Notieren nicht, aber sie disziplinieren es.