Ingardia Dossier
Schweizer Hügelland im Nebel, ruhige Stimmung

Kapitel 05

Meier — der Schweizer Schatten

Eine Begegnung mit Hinterschmidrüti. Was sich nicht entscheiden lässt — und warum die Schweiz an dieser Stelle eine besondere Aufgabe hat.

Es gibt in der Schweiz einen Ort, der für jeden, der sich mit den Themen dieses Dossiers beschäftigt, irgendwann zur Frage wird: Hinterschmidrüti. Ein Hof in der Gemeinde Schmidrüti, Kanton Zürich, etwa fünfundzwanzig Kilometer nordöstlich der Stadt. Hier hat Eduard Albert Meier, gerufen BEAM, 1975 die FIGU gegründet — die Freie Interessengemeinschaft für Grenz- und Geisteswissenschaften und Ufologiestudien. Hier lebt und arbeitet er seither.

Ich bin im Frühling 2010 zum ersten Mal hingefahren. Nicht als Anhänger, nicht als Reporter. Als Fragender. Ich wollte den Ort selbst sehen, weil ich vorher viel gelesen hatte und nicht weiterkam, ohne ein eigenes Bild zu haben.

Die Fahrt von Zürich aus dauert etwa vierzig Minuten. Man fährt durch Hügelland, durch Dörfer, die einem so vertraut sind, dass die Idee einer ausserweltlichen Bewegung dort zunächst grotesk wirkt. Dann biegt man auf einen kleinen Hofweg ab, und man steht vor einem Schweizer Bauernhof, den jemand zu einem Begegnungsort umgewidmet hat.

Es war ein Donnerstag. Ich hatte mich für eine geführte Begehung angemeldet — die FIGU bietet das an, gegen einen kleinen Beitrag. Etwa zwölf Leute waren mit mir dort, die meisten aus Deutschland, einer aus Japan. Wir wurden über das Gelände geführt, durch das Archiv, durch die Räume, in denen Originalmaterialien ausgestellt sind. Wir bekamen Vorträge von langjährigen Mitgliedern. Wir konnten Fragen stellen.

Mein Eindruck — und ich sage das ohne Wertung —: der Ort ist real. Die Bewegung ist organisiert. Die Buchhaltung ist sauber. Es gibt keine Anzeichen eines Sekten-Drucks, im negativen Sinn der akademischen Sekten-Forschung. Die Leute, die dort arbeiten, sind freundlich, ernsthaft, in vielen Fällen mit langer Bindung an das Werk.

Meier selbst habe ich an jenem Tag nur kurz gesehen, aus der Distanz. Er war damals 73 Jahre alt. Ein Mann, der gewohnt war, beobachtet zu werden.

Die Frage, die mir wichtig war und die ich heute noch nicht beantworten kann: Sind die vorgelegten Materialien echt, in dem Sinn, in dem Meier sie versteht?

Die Materialien sind umfangreich. Fotografien aus den 1970ern, die später unter anderem von Wendelle Stevens und Jim Dilettoso analytisch untersucht wurden — mit Ergebnis: hohe technische Konsistenz, schwer mit den damaligen Manipulationsmitteln zu erzeugen. Filmaufnahmen, die ebenfalls untersucht und teils als konsistent, teils als problematisch eingeordnet wurden. Tonaufnahmen. Materialproben — kleine Metallstücke, die spektroskopisch analysiert wurden, mit Ergebnissen, die kontrovers diskutiert werden.

Auf der anderen Seite: Kal Korff, ein US-amerikanischer Untersucher, hat in „Spaceships of the Pleiades — The Billy Meier Story” 1995 detailliert dokumentiert, wie nach seiner Analyse einzelne Aufnahmen Manipulationsmerkmale aufweisen — Modellaufnahmen, Doppelbelichtungen, in einem Fall ein Modell, das Korff in einem Schaufenster identifiziert haben will. Korffs Buch ist methodisch wenig zimperlich, aber es ist die bisher detaillierteste skeptische Untersuchung.

Diese beiden Befunde — die analytischen Echtheits-Gutachten und Korffs skeptische Auswertung — schliessen einander nicht aus. Es ist denkbar, dass innerhalb eines umfangreichen Materials echte und manipulierte Stücke nebeneinander stehen. Es ist auch denkbar, dass alles eine grosse Inszenierung ist, deren technische Qualität für ihre Zeit bemerkenswert war. Es ist drittens denkbar, dass die Wahrheit komplexer ist, als beide Lager annehmen.

Ich kann zwischen diesen drei Lesarten nicht entscheiden. Ich bin kein Bildforensiker. Ich bin kein Religionswissenschaftler. Ich bin auch kein UFO-Spezialist im akademischen Sinn.

Was ich aus meinem Besuch in Hinterschmidrüti mitgenommen habe, war nicht eine Antwort, sondern ein Respekt. Respekt vor einer Bewegung, die seit fünfzig Jahren trägt. Respekt vor einem Mann, der für seine Aussagen gestraft wurde — körperlich, sozial, in Auseinandersetzungen — und der sie dennoch nicht widerrufen hat. Respekt auch vor den Kritikern, die ihre Arbeit gemacht haben, oft unter unfairen Bedingungen, und die nicht weniger ernsthaft sind als die Anhänger.

Was mich nachhaltig beschäftigt, ist nicht die Echtheitsfrage. Sondern die Frage, was die Existenz der Bewegung — unabhängig von der Wahrheit ihrer Inhalte — sagt über die Bedürfnisse, die in uns alle eingeschrieben sind: einen Ort haben, an dem die offenen Fragen mit Würde gehalten werden; eine Gemeinschaft, in der das, was nicht erklärbar ist, nicht zwingend ins Lächerliche verschoben wird.

Jacques Vallée hat in „Messengers of Deception” 1979 eine kritische Position zu Kontaktbewegungen formuliert, die ich für klug halte. Vallée argumentiert nicht gegen die Erfahrungen der Anhänger, sondern für eine genauere Untersuchung der Strukturen, in denen diese Erfahrungen entstehen und vermittelt werden. Die Frage „Was hat Meier gesehen?” wird bei Vallée zur Frage „Welche Rolle spielen Kontaktberichte in unserem kollektiven Umgang mit dem Unerklärten?”

Diese Frage halte ich für die produktivere.

Warum dieser Abschnitt im Dossier steht, ist einfach: Meier ist die bekannteste Schweizer Stimme zum Thema. Wer sich in der Schweiz mit UAP, Kontaktberichten oder verwandten Phänomenen beschäftigt, kommt an ihm nicht vorbei. Das gilt unabhängig davon, wie man die vorgelegten Materialien bewertet. Und es gilt unabhängig davon, ob man die FIGU als spirituelle Bewegung, als legitime Wissensgemeinschaft, als Faszinosum oder als Irrweg liest.

Was ich nicht tue: ich bewerte Meier nicht. Ich gebe meine Position nicht als Position aus. Ich beschreibe, was ich gesehen habe, was öffentlich dokumentiert ist, und welche Streitpunkte bestehen. Den Rest überlasse ich Ihnen.

Hinterschmidrüti steht. Die Bewegung trägt. Die offene Frage bleibt offen.

Das ist der Schweizer Schatten, den dieses Dossier nicht ausklammern kann — und nicht ausklammern will.

Quellen

  • Kal Korff: Spaceships of the Pleiades, 1995
  • Wendelle Stevens: UFO Contact from the Pleiades, 1982
  • Jacques Vallée: Messengers of Deception, 1979
  • FIGU-Material, Besuch Hinterschmidrüti April 2010