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Pyramide im Dunst bei tiefstehender Sonne

Kapitel 07

Urvölker und die Besucher vom Himmel

Wandjina-Felsbilder, «Astronauten» von Val Camonica, Nazca-Linien, Dogū-Figuren — was alte Kulturen an den Himmel malten und was es bedeuten könnte.

Lange bevor es Radar, Kameras und Kongress-Anhörungen gab, haben Menschen aufgezeichnet, was sie am Himmel sahen — mit Ocker auf Fels, mit Meisseln in Stein, mit Linien in der Wüste. Diese Zeugnisse existieren. Über ihre Bedeutung wird gestritten, und genau dieser Streit ist eines der faszinierendsten Kapitel des ganzen Themas.

Wandjina: die Gesichter ohne Mund

In den Kimberleys im Nordwesten Australiens blicken seit Jahrtausenden die Wandjina von den Felswänden: weisse Gesichter mit grossen, dunklen Augen, umgeben von strahlenförmigen Kränzen — und ohne Mund. Für die Aborigines-Gemeinschaften, die diese Bilder bis heute rituell erneuern, sind es Wolken- und Regengeister, Schöpferwesen ihrer Überlieferung. Wer die Bilder zum ersten Mal sieht, versteht sofort, warum sie in der UFO-Literatur Karriere gemacht haben: Die Ähnlichkeit mit modernen Beschreibungen «grauer» Wesen ist frappant. Zwei Lesarten, ein Bild — und beide Lager schauen auf dieselben grossen Augen.

Val Camonica: die «Astronauten» in den Alpen

Im lombardischen Val Camonica, nur wenige Autostunden von der Schweiz entfernt, liegt mit rund 140’000 Felszeichnungen eines der grössten Felsbildarchive der Welt — UNESCO-Welterbe. Berühmt geworden sind zwei Figuren aus der Eisenzeit: Gestalten mit strahlenden Kränzen um den Kopf, die aussehen, als trügen sie Helme. Die Archäologie deutet sie als Schamanen oder Gottheiten mit Hörner- oder Strahlenschmuck. Die Ancient-Astronaut-Szene nennt sie schlicht: die Astronauten. Das Bild selbst schweigt und lässt beiden ihre Deutung.

Nazca: Zeichen, die nur der Himmel liest

In der Wüste Südperus zogen Menschen zwischen etwa 500 v. Chr. und 500 n. Chr. hunderte kilometerlange Linien, Trapeze und Tierfiguren — den Kolibri, die Spinne, den Affen. Das Verstörende an den Nazca-Linien: In ihrer ganzen Form erkennbar sind sie nur von oben. Die deutsche Mathematikerin Maria Reiche verbrachte ihr halbes Leben damit, sie zu vermessen, und deutete sie als astronomischen Kalender. Andere sehen Prozessionswege oder Wasserkult-Zeichen. Erich von Däniken sah Landebahnen. Gesichert ist: Ein Volk ohne Flugtechnik hat Bilder geschaffen, deren Adressat nicht am Boden steht.

Dogū: die Figuren im «Anzug»

Aus dem Japan der Jōmon-Zeit, teils über 3’000 Jahre alt, stammen die Dogū — Tonfiguren mit riesigen, geschlitzten Augen, genieteten Körpern und Mustern, die an Schutzanzüge erinnern. Die Archäologie liest sie als Fruchtbarkeits- oder Heilfiguren. Die andere Schule legt Fotos von Dogū neben Fotos von Taucher- und Raumanzügen und stellt die Frage, die dieses ganze Kapitel trägt: Woher kommt ein Bild, wenn es kein Vorbild gab?

Und die Schweiz?

Die Deutungsschule selbst hat einen Schweizer Absender: Erich von Däniken aus Zofingen machte die Paläo-SETI-Hypothese 1968 mit «Erinnerungen an die Zukunft» zum Weltbestseller — über 70 Millionen verkaufte Bücher, ein eigener Themenpark in Interlaken, und eine akademische Zunft, die ihm bis heute fast geschlossen widerspricht. Und wer die Spuren lieber anfassen will: Auch die Schweiz ist voller rätselhafter Steinzeugnisse, von Schalensteinen bis zu Menhiren — René sammelt sie seit Jahrzehnten.

Was hier Fakt ist und was Deutung

Fakt ist: Diese Bilder, Figuren und Linien existieren, sind datiert, katalogisiert und teils Welterbe. Fakt ist auch: Keine einzige dieser Deutungen ist bewiesen — weder die schamanistische noch die ausserirdische. Die redliche Zusammenfassung lautet: Über alle Kontinente und Jahrtausende hinweg haben Menschen Wesen mit grossen Augen, Strahlenkränzen und Himmelsbezug dargestellt. Vielleicht, weil der menschliche Geist überall ähnliche Bilder träumt. Vielleicht, weil überall ähnliche Besucher kamen. Die Bilder aus Renés Sammlung zu diesem Thema hängen in der Galerie «Ägypten & alte Kulturen» — schauen Sie selbst.

Quellen

  • Felsbildkorpus Kimberley (Wandjina), Australien
  • UNESCO-Welterbe Val Camonica, Italien
  • UNESCO-Welterbe Nazca-Linien, Peru; Arbeiten von Maria Reiche
  • Dogū-Figuren der Jōmon-Zeit, Japan
  • Erich von Däniken: «Erinnerungen an die Zukunft», 1968

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